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Bis jetzt ist nur das Auto blau. Der Himmel zögert noch. Stefan und Jan Dinter auch. Sie nutzen den Rückenwind und 50 PS, um sich nach Köln zu den 3. Kölner Comic-Tagen zu chauffieren. "Wir schlafen zu fünft in einem Zimmer", durchbricht Stefan den lauten Cake-Sound. "Das wäre ja alles okay - nachts um eins besoffen ins Bett zu fallen, wenn da nicht die Vorstellung wäre, dass um drei Wittek auftaucht und Schnaps über einen schüttet," ruft Jan seinem Bruder zu. "Noch schlimmer ist, wenn er sich dann über dich beugt und den Schnaps wieder von dir runterschlürfen will," spinnt Stefan den Gedanken weiter. Jan lacht schaudernd! Ein Happy-Meal, natürlich mit Spielzeug, macht Stefan wieder froh. Jan beglückt sich mit der männlichen Junk-Food-Variante: Einem Hamburger Royal TS. Befreit von schnapsigen Wittek-Fantasien zeigt sich der Himmel gleich freundlicher, strahlt azur und schminkt sich noch kurz mit einem prächtigen Regenbogen. Bei soviel blau und soviel bunt ist es höchste Zeit für's erste Bier.
![]() Der Kölner Dom ist noch in Köln, das Agnes-Viertel befindet sich auch noch in der Gegend, in der Stefan es vermutet. Nur Mathias Dinter, der sich dort mit einem der Kombat Babes sein Lager teilt, weilt derzeit in der tschechischen Republik, regiert ein Filmteam und treibt bewegte Bilder in den Kamerakasten.
Die Comic-Tage laufen seit Dienstag: Ausstellungseröffnungen, Podiumsdiskussionen und eine After-Work-Vernissage sind schon passé. Nachdem Jan am Freitagmorgen, während des Frühstücks, versehentlich den Toaster von Kombat Babe, Jennifer Bell, in die Luft gejagt hat, geht's los! Die Jungs der Nightfallstudios, warten, pünktlich, wie immer, auf Dinter 1 & 3 vor der Kölner Stadtbibliothek am Neumarkt. Die Hamburger Delegation hat sich erst für den späten Abend angekündigt. Für die Zwerchfell-Agenten ist es eine Premiere sich inmitten von Büchern, Ausleihvideos und -Kassetten zu präsentieren.
![]() Constanzes perfekte und feine Organisation, die einem auf den Kölner-Comictagen in allen Bereichen begegnet, zeigt sich auch hier. Sie hat die einzelnen Panels eingescannt und beamt sie groß an die Wand.
Für die Promi-Leser ist das eine gute Orientierungshilfe und den Fans, die Wanda Caramba nicht kennen, erleichtern die Bilder das Nachvollziehen des Handlungsverlaufs. Aber die Lesung wäre sicher weniger erfreulich, hätte Meister Eckart Breitschuh den Vierteiler "Dying for a Screw" nicht hervorragend zu einer 30 Minuten Version zusammengekürzt .
Als die Hamburger endlich in der Taverna eintreffen, ist schon reichlich gelber und weißer Zündstoff durch die Künstler-Kehlen geflossen. Thomas Schukalla hat sich mit glasigen Augen an der Geburtstagsdame vom Nebentisch fest gesaugt. Die Bedienung ertappt Daniel Kießler bei einer künstlerischen Verschönerung der Speisekarte. Als er ihren bösen Blick bemerkt, setzt Daniel, spontan sein genialstes, unschuldigstes Kleinbubengesicht auf, das seine Mimik hergibt, und ihr bleibt nichts anderes übrig, als ihm ebenso spontan zu verzeihen. Nachdem Christian Heesch, Eckart und Stefan Zwerchfell-Interna besprochen haben, geben sich die Herren Künstler einer bayerischen Biertischtradition, dem Armdrücken, hin. Jeder darf mal. Aber nicht jeder will mal. Nachdem die Bizeps-Kräfte schwinden, konzentrieren sich einige auf ihre Fingerfertigkeiten und tätowieren sich gegenseitig mit einem Permanent Marker. Natürlich wasserfest! Und die Kunstwerke auf Gesichtern und Hälsen erinnern an Witteks "Inferno Karneval" im späten April.
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Die Wanda Caramba Real-Comic-Lesung mit den erwähnten Prominenten ist ein unglaublicher Erfolg für Zwerchfell, vor allem für Eckart. Einen Tag später regen sich schon Stimmen im Zwerchfell-Forum. Rossi:" Die Wanda-Lesung war für mich das absolute Highlight. Insbesondere die Intonierung des Kommissars [Konner] durch Herrn Dinter ließ keine Wünsche offen." Für Eckart bleibt es ein Freudentag. Der Interessenverband Comic e.V., kurz ICOM, der seit 1994 jährlich den ICOM Independent Comic-Preis an Nachwuchskünstler und Zeichner, jenseits des Kommerz verleiht, ehrt Eckarts Wanda Caramba für das beste Szenario. ![]() Völlig verdient wie die folgende, wenn auch etwas geschwollen formulierte, Laudatio bestätigt: "Interessante Personen, mehrfach verknotete Erzählebenen sowie eine gehörige Portion Humor machen diese Comic-Serie, neben der exquisiten Grafik, besonders zu einem Triumph des erzählenden Comics." Die Breitschuh/Wittek Gemeinschaftsproduktion "Grimm 2" erhält zudem eine lobende Erwähnung. Wittek soll den Preis für INC , Initiative Comic Kunst e.V. für dessen Großausstellungen in Hamburg, wie "Am Anfang war der Strich", "Comopoly", etc. entgegen nehmen. Aber der ist plötzlich verschwunden und verpasst "die schärfste Frau der Fernsehserie ‚unter uns'", so Karsten, die ihm den Preis überreichen soll. Wittek nimmt's gelassen: "Unauffindbar war ich nur kurz, weil ich mit meinem Bruderherz Protuberanzen zu mir nehmen musste. Sei's verziehen!" So sei's! Martin Schlierkamps "Alisha" wird lobend erwähnt, mit dem Zusatz: "Hervorragend - lässt auf mehr hoffen." Bei soviel Ehre sind die Zwerchfell-Agenten, besonders Chef Christian, zu Recht stolz auf ihre Arbeit und Ausdauer. Wenn das kein Grund zum Feiern ist...
Auch ans Feiern hat Constanze gedacht und den Saal des Brauhauses "Reissdorf" für die Comicmacher und deren Hardcore-Fans reservieren lassen. Die Stimmung ist ausgelassen, der Kellner flott im Biere verteilen und Sprüche klopfen. Als Constanze, mit ihrem Freund Dirk, den Saal betritt, setzt tosender Applaus ein. Überrascht und leicht verlegen steht sie da. Als ihr Kirsten Mischok-Odenthal, im Namen der Zeichner und Verlage, noch einen Blumenstrauß in die Arme drückt kann sie ihre Rührung nicht mehr verbergen. Doch diese ist ganz auf unserer Seite, liebe Constanze. Vielen Dank für diese hervorragenden, mit Herzblut und Verstand organisierten Kölner Comictage 2001. ![]()
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